Der Mückendulder. Über Helko Reschitzki
    von Moritz Fröhlich

Helko Reschitzki kam 1968 in Lübz zur Welt. Seine Kindheit, Jugend und deren lange Ausläufer verbrachte er im Mecklenburgischen. Seit 1999 lebt er in Berlin-Moabit. Gelassen gefällt ihm sein neues Zuhause. Im Sommer geht er morgens im Plötzensee schwimmen; Schneemöwen grüßend redet er sich den Winter schön. In seinem Malzimmer hängen zwei Fotos, beide sind etwa zur gleichen Zeit entstanden: eins zeigt ihn als verhuscht traurigen Kinderfaschingsindianer, auf dem anderen ist Muhammad Ali zu sehen (30. Oktober 1974, Kinshasa, State Tata Raphaël, 8. Runde) — da weiß er immer wo er herkommt und wo er hin will.


Helko Reschitzki: Junge mit Fahne


Helko hat kein Sitzfleisch, wie man so sagt. Humpelnd ist er auf der Suche nach finanziellen Standbeinen. Vorbild ist ihm seine Oma — die wusste immer, was wirklich wichtig ist. Ansonsten schätzt er aus der Ferne zum Beispiel Diego Maradona oder Stephan Remmler. Hildegard Knef wäre ihm eine gute Königin, aber die ist ja nun auch schon tot. Rabaukig, Rabaukig. Weil er bereits genug Propaganda ertragen musste, hat er Anfang des neuen Jahrtausends seinen Fernseher weggegeben. Kurz davor sagte er noch halb im Scherz: »Bald sind wir eine DDR.« — Ihm macht Angst, dass das so langsam ernst wird. Als ob es noch was nützen würde, tröstet er sich damit, dass er ebenso polytechnisch wie paramilitärisch gebildet ist.

Helko weiß, wie es ist, aus Geldnot alte Bilder zu übermalen, und freut sich, dass so Neues entsteht. Manchmal ruft er seinen Bruder an und liest ihm aus den Briefen Vincent van Goghs an Theo vor, dann müssen beide lachen und schimpfen ... Helko würde sich nie als Künstler bezeichnen. Er sieht sich eher als Schöpfer. Von den Malern Daniel Richter, Henry Darger und David Hughes schätzt er einiges sehr; den Scharlatanschamanen Beuys, die Farbensau Nolde und den scheuen Banksy findet er ebenso prima. Seitdem er sich mit Martin Kippenberger beschäftigt, schaut er jeden Tag nach, ob seine Hände rot sind. Das sieht man seinen Bildern aber wohl nicht an. Für die Erschaffung dieser benutzt er, was ihm so in die Finger fällt. Ununterbrochen fließen ihm Ideen zu. Dafür ist er dankbar, obwohl er es schon prima fände, wenn ab und an mal Ruhe unter der Schädeldecke wäre. Wenigstens beim Schlafen (oder was er so nennt).

Helko weiß, dass es keine einfache Wahrheit gibt und hört immer auch gern die Gegenseite. Andere versucht er so zu behandeln, wie er von ihnen behandelt werden möchte. Das wird ihm selten gedankt. Helko lässt sich lieber von Mücken zerstechen, als dass er eine von ihnen töten würde. Ihn wundert, dass das sogar Veganer wundert — und bestellt ratlos Bifteki Feta bei Athena und Christos. Jamas. Jamas. Kalinichta. Anschließend legt er (nur für sich) ein paar zerkratzte Schlagerplatten auf, weint wodkadicke Tränen — und hat so — !ZACK! — wieder drei schöne Bildtitel gefunden ...

Ihn freut, dass andere freut, was er so macht, und weiß, dass es wichtig ist, dass man glücklich ist, und keinem damit auf die Nerven fällt.